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Von Barfuß zum Schuh!

Die ganze Sitzerei und das Tragen von festem Schuhwerk mit dicken Sohlen sind nur zwei Gründe für Beschwerden am Bewegungsapparat.

Ich glaube an die Evolution – wer nicht, sollte hier aussteigen!

Unser Fuß war einst ein Greiffuß, ähnlich unserer Hand. Das war praktisch als wir an Bäumen turnten. Irgendwann haben wir den Wald verlassen und diese Art von Fuß hat sich im Alltag nicht als tauglich erwiesen. Unsere Fußwurzelknochen stehen mittlerweile übereinander. Es hat sich ein Längs- und Quergewölbe gebildet.

Durch diesen neuen Aufbau, konnten wir an Stabilität gewinnen, die es uns leichter macht zu laufen. Zusätzlich haben wir noch etwas Fußsohlenfettgewebe um in Kombination mit Muskeln, Sehnen und Bändern Erschütterungen abzufedern. Der Körper ist auf Effizienz optimiert bzw. stinkefaul. Wenn er Energie sparen kann, dann funktioniert er nach dem Prinzip “Use it, or loose it”.

Wenn du deine Füße nicht adäquat nutzt, wird Funktion und Physis wegrationalisiert!

Vielleicht hast du den Artikel von den inaktiven Gesäßmuskeln gelesen. Hier werden bei einigen Menschen durch Inaktivität die Gesäßmuskeln einfach”abgeschaltet”.  Dieser Vorgang wurde von Prof. McGill aus Kanada als “gluteale Amnesie” bezeichnet.

Schuhe – insbesondere Joggingschuhe mit fetter Sohle – lassen unsere Füße degenerieren, da sie ihnen die Arbeit abnehmen. Enge und harte Schuhe nehmen dem Fuß Platz und verändern seine Form. Hochhackige Schuhe lassen zusätzlich die Wadenmuskulatur verkümmern, da sie durchgehend in einer verkürzten Position ist.

Laut Literatur werden um die 70% der Informationen, die das Gehirn benötigt um den Untergrund zu spüren und sichere Bewegungen zu starten, über die Nerven der Fußsohlen eingeleitet. Das bedeutet, umso mehr du den Untergrund spürst, desto größer ist das Verständnis deines Körpers für die Umgebung und die resultierende Bewegung.

Manchmal hast du im Tunnel keinen Handyempfang. Wenn jemand versucht dich in diesem Moment anzurufen, dann bist du der Fuß und der Tunnel der Schuh! Du bekommst nichts mit!

Wir müssen uns unseren Körper immer als ein System vorstellen. Es beginnt ganz unten mit den Füßen. Und hier startet auch Bewegung, die sich dann in einer Kette oder Schlinge nach oben fortsetzt. Wer schon ganz unten einen Fehler im System hat, der wird früher oder später auch an anderen Stellen in der Kette ein Problem bekommen.

Kinder – Schuhe aus!

Grundsätzlich sollten wir uns am intuitiven Verhalten unserer Kinder orientieren – da gibt es einiges zu lernen! Sie können eine tiefe Hocke, sie essen nichts wenn sie krank sind, sie flitzen den ganzen Tagen von links nach rechts und gehen gerne ohne Schuhe vom Kindergarten nach Hause.

Wir Erwachsene versuchen ihnen dies dann auszutreiben – mit Erfolg!

2015 kam eine landesweite Studie in deutschen Kindergärten zu folgendem Ergebnis:

25% der untersuchten Kinder hatten Plattfüße. Bei 15% wurde ein Knickfuß diagnostiziert. 15% der Kinder waren mit falschen Einlagen ausgestattet. Über 50% der Kinder trugen Hausschuhe, die bis zu fünf Größen zu klein waren. 38% der Straßenschuhe hingegen waren zu groß.

Wie kann man das ändern?

Einfach mal machen lassen nach dem Motto: Trail and Error!

Fallen, aufstehen, Krönchen richten, fallen, aufstehen…

Insbesondere zuhause, im Park, im Garten, auf dem Spielplatz und Co. – die Schuhe aus und nebenbei sensomotorisch lernen.

Schuhe oder Barfuß?

Wie immer finde ich einen Kompromiss am besten!

Eins steht fest: Wir sollten uns deutlich mehr Gedanken über unsere Füße machen und so oft wie möglich und bewusst die Schuhe ausziehen und Barfuß weiterlaufen. Wir machen das viel zu selten, daher müssen wir das so selten deutlich nach oben schrauben.

Ich würde nicht den Schritt weiter gehen und Schuhe vollkommen aus dem Leben verbannen. In der Stadt, auf dem Konzert und selbst beim joggen im Wald ist mir das Verhältnis zwischen Nutzen und Schaden nicht groß genug. Schuhe schützen uns vor Scherben, Nägeln und vor Schuhen von andern. Daher trage ich im Alltag einfache und bequeme Schuhe, die dem Fuß Platz und Schutz geben.

Für das joggen würde ich definitiv einen neutralen Schuh empfehlen!

Klar, jetzt werden die einen wieder sagen – “Ich kippe beim abrollen nach innen weg, daher nehme ich da einen Schuh mit Unterstützung, dass dies nicht passiert”.

Ich würde dir und deinem Fuß allerdings empfehlen, das Problem selbst zu lösen, indem du dein Fußgewölbe trainierst. Überraschenderweise geht das am besten durch Bewegung ohne Schuhe!

Dein Come-back

Wir sollten also wieder vermehrt und bewusst Barfuß laufen. Zum Start zu Hause und gerne auch im Park, im Garten und auf der Wiese.

Es gibt mittlerweile sogar spezielle Barfußpfade. Dort kannst du auf unterschiedlichsten Untergründen laufen und deine Rezeptoren trainieren.

Wenn du ins Fitnessstudio o.ä gehst, kannst du es auch mal mit den 5-Fingers Schuhen probieren. Hier bist du nicht gleich sozial ausgegrenzt, kannst deinen Füßen trotzdem etwas Gutes tun.

Egal wie du es machst, starte langsam. Von einer Probelaufeinheit ohne Schuhe rate ich dir definitiv ab. Anpassung funktioniert nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt. Die Füße müssen daher behutsam an eine erhöhte Belastung gewöhnt werden.

Dann – schöne Grüße an Ray Collins 😉

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